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22. Juli 2018

Feurige Geschmacksexplosion

Fisch mit Limette und Chilischoten, dicke Rippen in Bier und Senf und zum Abschluss eine süße Verführung: Die internationale Kochrunde von Hierleben kitzelt die Geschmacksnerven dieses Mal besonders intensiv.

Feurige Geschmacksexplosion

Fisch mit Limette und Chilischoten, dicke Rippen in Bier und Senf und zum Abschluss eine süße Verführung: Die internationale Kochrunde von Hierleben kitzelt die Geschmacksnerven dieses Mal besonders intensiv.

Manuela Leon de Jensen

Klein und schmal ist sie, aber ein Wirbelwind, wie er nur aus Südamerika kommen kann: Manuela Leon de Jensen ist gebürtige Peruanerin und erstaunt alle mit dem pikant-scharfen Nationalgericht Ceviche. Serviert wird alles stilecht auf einer Muschel. Während die Männer noch kochen, hat die 68-Jährige in der Zwischenzeit schon wieder aufgeräumt und den Tisch gedeckt. Manuela war viele Jahre lang Krankenschwester. Jetzt als Rentnerin hat sie mehr Zeit, ihren Mann zu Hause im schleswig-holsteinischen Flintbek zu bekochen und zu verwöhnen. Die Kalorien werden dann beim Tennis oder Golf abtrainiert.

Luc van Moorhem

Eine gesellige Kochrunde ist ganz nach seinem Geschmack, denn der Belgier Luc van Moorhem ist genau das: gesellig. Mit seinem witzigen belgischen Akzent bringt er laufend Anekdoten zum Amüsieren. Kochen geschieht nebenbei. „In mein Gericht gehört viel belgisches Bier, aber keine Angst: Der Alkohol verkocht“, so Luc. Der 56-Jährige bekocht fast jeden Tag seine vierköpfige Familie in Mönkeberg bei Kiel. Luc hat außerdem ein ungewöhnliches Hobby: In Belgien und in Schleswig-Holstein sucht er mit seinem zertifizierten Metalldetektor Schätze aus der Vergangenheit. Sein jüngster Fund: ein Silberschmuckstück aus der Wikingerzeit.

Hartwig Keusch

Die ganze Feuerwehr bekochen? Kein Problem für den Österreicher Hartwig Keusch. Der 56-Jährige ist leidenschaftlicher Hobbykoch und zaubert regelmäßig leckere Mahlzeiten für die Freiwillige Feuerwehr der Innenstadt Lübeck, deren passives Mitglied er ist. Und auch zu Hause darf er ständig an den Herd. „Meine Frau sagt, ich sei selber schuld, dass ich jetzt immer kochen muss“, erzählt Hartwig lächelnd. Der kaufmännische Angestellte kam als Kind mit seinen Eltern aus Österreich nach Schleswig-Holstein. Die Gerichte aus seinem Heimatland hat er aber nicht vergessen. Gerade die süßen Speisen kennt er noch von seiner Oma.

Spannend, so eine neue Kochrunde: Die Peruanerin Manuela Leon de Jensen, der Belgier Luc van Moorhem und der Österreicher Hartwig Keusch haben sich noch nie zuvor gesehen. Jetzt sollen sie zusammen ein dreigängiges Menü zaubern. Gleich am Anfang wird abgemacht: „Keiner kocht allein. Wir helfen uns gegenseitig bei den Gerichten.“ Und das sorgt sofort für ein fröhliches Miteinander. Manuela gibt freundlich, aber bestimmt die Anweisungen für ihr Fischgericht Ceviche. „Luc, kannst du bitte die Limetten pressen, und du, Hartwig, hack bitte die Chilischoten ganz fein.“ Die 1,55 Meter kleine Frau wirbelt in der Küche, schneidet das Rotbarschfilet, die Zwiebeln und den Mais, lässt den Fisch im Kühlschrank verschwinden und kocht nebenbei Süßkartoffeln. Alles geht ratzfatz. Manuela liebt Fischgerichte. „Peru liegt am Pazifik. Wir können dort jeden Tag frischen Fisch am Hafen kaufen.“ Mindestens alle drei Jahre fliegt die 68-Jährige in ihr Heimatland und besucht dort ihre Familie. In Schleswig-Holstein ist sie aus einem guten Grund gelandet: der Liebe wegen. Ihren deutschen Mann hatte sie in Peru kennengelernt, denn er leitete dort mehrere Jahre eine Firma. Während der Fisch etwa zwei Stunden ruhen muss, wenden sich die drei dem Hauptgang zu. Der Belgier Luc ist nun gefragt. Er hat eine Menge Fleisch mitgebracht: 1,2 Kilogramm dicke Rippen. Die werden gewürzt und in Zwiebeln und Lorbeerblättern angebraten. Das Besondere an Lucs Gericht ist auf jeden Fall die Soße. Langsam gießt der Flame das dunkle, belgische Bier in den großen Topf. Obendrauf kommen zwei mit Senf bestrichene Toastbrotscheiben. Ungewöhnlich. Und diese Gerüche! Hartwig und Manuela staunen und schauen Luc neugierig über die Schulter. „In Belgien machen wir viel mit Bier“, erzählt Luc. „Gulasch zum Beispiel bereite ich ganz ähnlich zu.“ Alle freuen sich übrigens, dass Luc den Termin für die Kochrunde nicht abgesagt hat, denn eigentlich hätte er am gleichen Tag nach Sylt zu einer Pressekonferenz fahren sollen. „Wir haben nämlich einen Schatz aus der Wikingerzeit gefunden, und der wird heute den Medien vorgestellt“, sagt er ganz bescheiden. Der 56-Jährige hat schon lange dieses ungewöhnliche Hobby. Er durchsucht die Äcker und Böden mit einem Metalldetektor und gräbt anschließend nach den archäologischen Fundstücken. „Das Spannendste, was ich mal gefunden habe, war ein Stück von einem großen Schwert – es stammt aus der Zeit etwa 1.000 Jahre vor Christus.“ Nebenbei kümmert er sich um seinen Rosenkohl. Hartwig liefert ihm Knoblauch zu. Alles zusammen wird in Öl und Speck gewendet. Nun ist endlich die Zeit für die Nachspeise, Topfenpalatschinken. Hartwig scharrt schon mit den Hufen. Man merkt, dass der gutgelaunte Österreicher fast ein Profi in der Küche ist. Mit Turboschlägen verquirlt er Butter, Zucker und Eigelb, danach – deutlich ruhiger und vorsichtiger – mischt er Quark, Rosinen, Salz und Zitronenschale unter. Ab und zu nascht der Lübecker mal eine Rosine. „Die hab’ ich schon gestern in Rum eingelegt,in 54er Flensburger Rum“, grinst er. Das Rezept hat er von seiner Oma aus Österreich, und wie man sieht, macht er es nicht zum ersten Mal. In der Pfanne gelingen ihm hauchdünne Pfannkuchen, die er souverän in der Luft wendet. Schöner Schnappschuss für den Fotografen – alle lachen. Die Palatschinken befüllt Hartwig mit der Creme, rollt sie ein und legt sie dicht an dicht in eine Auflaufform. Sieht perfekt aus. Am Ende ist alles rechtzeitig fertig und gar. Der Zeitplan hat geklappt. Drei Nationen setzen sich an den Tisch, drei Gerichte von pikant-scharf über deftig bis wunderbar süß verwöhnen die Gaumen. Manuela ist von den dicken Rippen und der Biersoße so begeistert, dass sie das Gericht gleich Ende der Woche für Freunde nachkochen will. Warum soll eine Südamerikanerin nicht auch mal in belgischen Gefilden unterwegs sein?

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