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19. Februar 2019

Dreiklang der Kontinente

In Louisenlund ist der Alltag international. Jugendliche kommen aus der ganzen Welt in das Internat an der Schlei in Schleswig-Holstein. Die Lehrkräfte auch. Drei von ihnen zeigen, dass sie sich auch am Herd gut verstehen. 

Dreiklang der Kontinente

In Louisenlund ist der Alltag international. Jugendliche kommen aus der ganzen Welt in das Internat an der Schlei in Schleswig-Holstein. Die Lehrkräfte auch. Drei von ihnen zeigen, dass sie sich auch am Herd gut verstehen. 

Nicolas Baron

Nicolas, genannt Nico, wollte unbedingt ins Ausland. „Eigentlich egal, wohin“, sagt der Kolumbianer, der in der Nähe der Hauptstadt Bogota aufgewachsen ist. Daher bewarb er sich nach seinem Studium an zahlreichen Schulen im Ausland. Bevor der 30-Jährige schließlich als Hausvater und Spanischlehrer in Louisenlund landete, lebte er in der Schweiz. Allem Fernweh zum Trotz: Heute holt sich Nico regelmäßig die Heimat in die Küche und auf den Teller, auch wenn hierzulande die Auswahl an Gemüse, Obst und vor allem an Fisch und Meerestieren lange nicht so groß ist wie in dem Land zwischen Pazifik und Atlantik.

Huiru Hu

Huiru hat schon in ihrer Heimat China Germanistik studiert, Deutsch gelernt und unterrichtet. Sie kommt aus Guangzhou, einer Elf-Millionen-Metropole. Der Kontrast zur Idylle rund um das Internat Louisenlund könnte kaum größer sein. Hier unterrichtet sie Deutsch als Fremdsprache und Chinesisch. Bevor sie mit ihrem Freund nach Rendsburg zog, hat sie drei Jahre als Hausmutter auf dem Schulgelände gewohnt. „Wir haben viele Schülerinnen aus China, um die kümmere ich mich natürlich besonders“, sagt die 42-jährige. Dazu gehört auch, ab und zu für die Mädchen chinesisch zu kochen. „Das ist dann immer ein Highlight.“

Catherine Donovan

Catherine ist in Louisenlund so etwas wie ein Urgestein. „Ich bin seit 32 Jahren hier“, erzählt die Engländerin, die zuvor in ihrer Heimat an einer Partnerschule des Internats arbeitete und eigentlich nur ein Jahr in Deutschland bleiben wollte. „Das einzige, was mir fehlt, sind lauter ungesunde, aber sehr leckere Sachen“, erzählt die 57-Jährige mit einem Augenzwinkern. „Die vielen leckeren Süßigkeiten, Schokoladen und Desserts.“ Aber so bleibe sie wenigstens schlank, meint die Lehrerin für Englisch und Sport. Mindestens achtmal im Jahr fliegt sie ins Ausland, da sie für die internationalen Angelegenheiten der Schule verantwortlich ist.

Wir kommen nicht nur aus drei Ländern, sondern sogar von drei Kontinenten“, stellt Huiru fest. Catherine, Nico und sie arbeiten schon länger zusammen in der Privatschule an der Schlei. Gemeinsam gekocht haben sie noch nie. Die Chinesin Huiru packt einen Wok aus, allerdings einen aus Deutschland. „In China kochen wir mit Gas, daher ist bei einem chinesischen Wok der Boden nicht so flach“, erklärt sie und beginnt, für das Hauptgericht Paprika in feine Streifen zu schneiden. Neben ihr zerkleinert Nico aus Kolumbien die Zwiebeln für die Vorspeise und presst Limetten aus. Sofort duftet es frisch und herrlich exotisch in der Küche. Da Catherine aus Bristol Süßes liebt, hat sie sich für den Nachtisch entschieden. „Eton Mess wird im Eton College tatsächlich jedes Jahr am 4. Juni beim traditionellen Cricketspiel gegen die Harrow School serviert“, erzählt sie. Auch auf ihrer Schule habe die Speise das Schulessen versüßt – „aber nur an besonderen Tagen, wenn die Eltern kamen oder vor den Ferien“. Das Dessert muss gut durchkühlen, daher fängt sie sofort an. Die Beeren stehen bereit, das Baiser muss noch zerkleinert werden. Catherine zerdrückt das Gebäck beherzt mit einem Kochlöffel. Beim Einkauf musste sie etwas improvisieren: „Eigentlich soll Double Cream an das Gericht, aber diese spezielle Schlagsahne gibt es so nicht in Deutschland“, stellt sie fest. Eine Alternative war schnell gefunden: Mascarpone. „Manche machen diese Speise, indem sie alles ordentlich schichten, aber ich mache eine richtige ,Mess’“, sagt sie und rührt kräftig. Einmal noch schmeckt sie genussvoll die sahnige Mischung mit Vanillezucker ab, bevor die Speise in den Kühlschrank wandert. So hat Catherine Zeit, Nico und Huiru über die Schultern zu schauen. Nico hat für die Ceviche sorgfältig reife Früchte ausgesucht. „Hier in Deutschland gibt es nur eine Sorte Mango, und oft nur kleine und nicht so süße“, meint er kritisch. Alles, was er für das fruchtigfrische Nationalgericht braucht, wächst in seiner Heimat gewöhnlich in den großen Gärten, die alle Häuser haben: Orangen, Zwiebeln, Avocados, Mangos, Limetten. „Und Koriander, der gehört bei uns an jede Speise“, verrät er. „Außerdem essen wir viel Fisch, da Kolumbien am Pazifik und am Atlantik liegt.“ Er hat sich gleich für ein Vorspeisen-Duo entschieden: eine Ceviche mit Mango und Avocado und eine Variante mit Shrimps. „Das macht meine Mutter auch so, damit es wirklich jedem schmeckt“, erzählt er. Die Shrimps müssen kurz kochen und abkühlen, bevor sie mit einer Mischung aus pürierten Tomaten, Orangen, Ketchup und Chili vermischt werden. Gekonnt schält Nico die Mangos und schneidet sie in Stücke, die Avocado halbiert er und sticht dann das Messer in den Stein, sodass er ihn mühelos entfernen kann. Huiru schneidet das Fleisch für den Hauptgang sehr klein. Das ist wichtig in der chinesischen Küche“, erklärt sie. So gart es schneller, gleichzeitig ziehen die Gewürze („immer Ingwer und immer Knoblauch“) besser ein. „Chinesisches Essen muss drei Sinne ansprechen – über die Farbe, den Geruch und den Geschmack“, lautet ihre Philosophie. Bevor das Fleisch gebraten wird, gibt sie etwas Speisestärke darüber und knetet alles gut durch. „So wird es zarter und knuspriger.“ Für die Farbe hat sie Salatherzen ausgesucht. Nachdem sie etwas Öl mit Chilibohnensoße aus dem Asialaden vermischt hat, brät sie das Fleisch an und würzt mit Sojasoße nach. Dann nimmt sie alles aus dem Wok und brät danach Knoblauch und Ingwer, bevor Paprika und der zerpflückte Salat hineinkommen. Gewürzt wird mit Essig, Salz und Zucker. Unterdessen gart der Reis im Elektrokocher. „Jedes Haus in China hat so ein Gerät“, sagt sie. „Anfangs hatte ich hier keins, das war eine Qual.“ „Das ist, als ob wir Engländer hier ohne Gin Tonic leben müssten“, witzelt Catherine. Gerade dudelt das Gerät los, der Reis ist fertig und damit das gesamte Essen. Ein Menü aus drei Kontinenten, in weniger als einer Stunde zubereitet. Zum Probieren kommen noch ein paar Kollegen dazu. Das gemeinsame Fazit ist klar: „Solch einen Kochabend machen wir bald wieder.“

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