Das Online-Magazin für saisonalen Genuss.
18. Januar 2019

Mit dem Smut im U-Boot

Der Treffpunkt für diese Hierleben-Kochschule ist nun wirklich einzigartig: Marvin dos Santos ist Smut an Bord von U35, einem U-Boot der deutschen Marine mit Heimathafen Eckernförde. In seiner winzigen Kombüse kocht er Boeuf Stroganoff – und zwar so gut, dass die ganze Mannschaft begeistert ist.

Mit dem Smut im U-Boot

Der Treffpunkt für diese Hierleben-Kochschule ist nun wirklich einzigartig: Marvin dos Santos ist Smut an Bord von U35, einem U-Boot der deutschen Marine mit Heimathafen Eckernförde. In seiner winzigen Kombüse kocht er Boeuf Stroganoff – und zwar so gut, dass die ganze Mannschaft begeistert ist.

In Hierleben zeigt der 27-Jährige, wie der russische Klassiker mit Rinderfilet traumhaft gut gelingt.

Wäre er nicht an Bord, würde die Besatzung des U-Boots U35 regelrecht verhungern – und dazu noch schlechte Laune bekommen. Marvin dos Santos kocht viermal am Tag in seiner winzigen Kombüse für fast 30 Personen. Ein Job, der ihm ziemlich viel abverlangt, aber auch jede Menge Spaß macht. Morgens um vier Uhr muss Smut Marvin dos Santos schon sein schmales Bett verlassen. „Immerhin habe ich ein eigenes – das hat nicht jeder an Bord der U35.“ Der Smut aber hat sein persönliches Schlafgemach. Er muss schließlich auch ausgeschlafen sein, denn er ist hier so ziemlich der wichtigste Mann an Bord. Man muss sich vorstellen: Kein Tageslicht unter Wasser, keine Möwe, kein Zeitgefühl – nur das Essen bringt Abwechslung. So backt Smut dos Santos schon ganz früh etwa 60 Brötchen, für jeden zwei. Alles in seiner zwei Quadratmeter großen Kombüse ist amagnetisch wegen der Minengefahr. Der reelle Platz zum Arbeiten beschränkt sich sogar auf einen Quadratmeter – kaum vorstellbar für normale Hobbyköche, von Profis ganz zu schweigen. Der 27-Jährige kann gut damit leben. Zum Glück ist der gelernte Koch nicht gerade ein Riese. „Ich habe hier mein eigenes Reich, ab und zu höre ich Musik beim Kochen, und jede Stunde kommt der Schiffstechniker vorbei“, erzählt Marvin dos Santos. „Aber ich gebe zu: Es kann auch langweilig sein – und manchmal ist es auch ein einsamer Job.“ Das Mittagessen muss für die aufziehende Wache um 11.15 Uhr auf dem Tisch stehen. Heute hilft ihm Martin Labs, Champignons zu schneiden. Er darf dem Koch zuarbeiten, da er zum sogenannten Hygienepersonal gehört und Hilfs-Smut ist. Das Schnippeln dauert allerdings ganz schön lange, und der Smut kann es sich nicht verkneifen, frotzelnde Sprüche zu bringen. Per BÜ – einer sogenannten Befehlsübermittlungsanlage – ruft der Smut lautstark die Besatzung zum Essen herunter. Der eine oder andere Techniker oder Unteroffizier hilft beim Tellertaxi, und schon ist der Tisch gedeckt. Gekocht wird immer frisch, gern mit Fleisch. „Gegen einen guten Braten hat hier niemand etwas einzuwenden“, erzählt der gebürtige Sauerländer, der portugiesische Wurzeln hat. In seinem kleinen Reich wirbelt Marvin dos Santos mit Pfannen und Töpfen und nutzt jeden Zentimeter Platz. Bioabfälle landen in einer Bioschleuse für organischen Müll. Der geht dann direkt nach draußen, und die Fische freuen sich. Zwischendurch hat der Smut vielleicht mal eine Stunde Zeit, sich „auf den Bock zu hauen“. Wenn nicht, fällt er garantiert um 19 oder 20 Uhr in den Tiefschlaf – morgen früh ab kurz nach vier Uhr muss die Laune der Besatzung schließlich wieder mit Top-Essen hochgehalten werden.

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