Das Online-Magazin für saisonalen Genuss.
20. Mai 2019

Hochprozentiges mit Aroma

Frisch kommt sie daher und ziemlich lecker – die Lütje Minze. Der Likör-Schnaps aus der Spirituosenwerkstatt D. H. Boll in Lütjenburg hat es aber ganz schön in sich. In ihm steckt weit mehr als eine befreiende Pfefferminznote. 

Hochprozentiges mit Aroma

Frisch kommt sie daher und ziemlich lecker – die Lütje Minze. Der Likör-Schnaps aus der Spirituosenwerkstatt D. H. Boll in Lütjenburg hat es aber ganz schön in sich. In ihm steckt weit mehr als eine befreiende Pfefferminznote. 

Sie sieht recht harmlos aus in ihrer angenehm unaufgeregten Flasche, der klare Inhalt ist dezent getönt. Unterschätzen sollte man sie aber nicht, die Lütje Minze. Der Likör-Schnaps wartet nämlich mit 50 Prozent Alkoholgehalt auf. Meist sind Pfefferminzliköre quietschgrün, was durch den Zusatz künstlicher Farbstoffe erreicht wird. Aber Holsteiner mögen nun mal keinen Firlefanz – wie Detlef Lehmann-Hinrichs, der die „Lütje Minze“ in seiner D. H. Boll Spirituosenfabrik in Lütjenburg herstellt. Der 65-Jährige ist Agraringenieur, sein Herz schlägt für die Landwirtschaft. Und für das kleine Imperium, dessen Grundstein sein Ur-Ur-Ur-Großvater legte.

Clevere Idee auf vier Beinen

Detlef Hinrich Boll war Bäckermeister in Lütjenburg. 1824 kaufte er eine Bäckerei, zu der ein Krug mit Brau- und Brennrechten sowie Landwirtschaft gehörten. Das war praktisch, denn das Getreide lieferte Futter und Stroh für die Pferde, aus dem Korn braute man Bier und Branntwein für den Ausschank, und die Destillierreste waren eiweißreiches Futter fürs Vieh. Bis zu 14 Brennereien gab es damals in Lütjenburg, das seinerzeit den Beinamen „Köm-Insel“ trug. Fast 200 Jahre später ist D. H. Boll die einzig verbliebene. Heute produziert das traditionsreiche Familienunternehmen sein Hochprozentiges am Stadtrand. Selbst gebrannt wird hier nicht mehr. Dafür hat sich Bolls Nachfahre auf die Komposition edler Köms und feiner Schnäpse spezialisiert.

Das Geheimis? Bleibt geheim!

Detlef Lehmann-Hinrichs führt durch eine hohe Lagerhalle in die Produktionsstätte. Dort lagern Fässer mit reinem Alkohol, in einigen anderen Pfefferminz-Essenz. An deren Geschmack hat der Chef so lange getüftelt, bis die Menthol-Schärfe einer milden Süße gewichen ist. Beide Komponenten sind die Hauptzutaten für die Lütje Minze. Und der Rest? Fingerspitzengefühl und Erfahrung. „Das Geschmacksgeheimnis ist die Mischung“, sagt der Spirituosenexperte und lässt keinen Zweifel daran, dass er Besucher in die letzten Geheimnisse nicht einweihen wird. Ist die Mischung fertig, fließt sie in die Abfüllanlage. Dort wird sie in die schlanken Flaschen gepumpt, die auf einem Karussell weiterlaufen, bis der Füllstand erreicht ist. Von dort aus geht es weiter über ein Förderband, an dessen Ende das Klebeetikett um die Flaschen gewickelt wird. Bis zu 12.000 Liter laufen pro Stunde vom Band. Da bräuchte man nur zuzugreifen. Aber so lecker die Lütje Minze auch ist – Detlef Lehmann-Hinrichs ist gegen derlei Verführungen gewappnet. Schließlich braucht man für seinen Job einen klaren Kopf.

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