Kochen mit Gesang
Können sie kochen? Natürlich! Können sie singen? Na klar! Wenn Opernstars und Opernfans in der Küche wirbeln, geht es nicht ohne Musik. Zwischen Georgien, Polen und Südafrika werden nicht nur Rezepte ausgetauscht, sondern beim Schnippeln und Rühren auch Arien gesungen.
Foto(s): Frederik Röh
Giorgi Darbaidze
Die Künstlerkarriere des Georgiers begann durch einen echten Zufall: Ein bekannter Dirigent wurde auf die Stimme des jungen Studenten der Makroökonomie aufmerksam. Der Bassbariton studierte dann am Konservatorium in Tiflis. Nach einem längeren Engagement in Bremerhaven lebt er seit 2016 mit Frau und Familie in Hannover, wo er für den Chor der Staatsoper mit Solo-Verpflichtung engagiert ist. Wenn seine Freunde Sylvia und Simon Sobbek in ihrem Haus Musikabende veranstalten, lässt er sich nicht lange bitten und ist gern dabei.
Simon Sobbek
In Złotów in Polen, das früher Flatow hieß, war die Familie von Simon Sobbek seit Generationen zu Hause. Als er noch ein Junge war, zogen die Eltern nach Deutschland. Hier traf er später Sylvia, eine Polin aus Auschwitz. Heute ist Simon ein erfolgreicher Unternehmer mit einem großen Dienstleistungsunternehmen, und dem Paar ist es möglich, seine Vorlieben für Kunst und Kultur zu pflegen. In ihrem Haus auf dem Land hat Sylvia ein Malatelier, Simon liebt den heimischen Wald als Jagdrevier. Die beiden laden regelmäßig zu kulturellen Salons ein.
Ipeleng Kgatla
Die Südafrikanerin singt wie Georgi im Chor der Staatsoper Hannover, ihre Stimmlage ist der Sopran. Sie stammt aus Tembisa, einer südafrikanischen Stadt östlich von Johannesburg, und gehört zum Stamm der Sepedi, der eine eigene, gleichnamige Sprache hat. Bevor sie 2022 nach Hannover kam, hat sie in Pretoria und Kapstadt und an der Musikhochschule in Mannheim ihren Master gemacht. Ihre OpernLieblingsrolle? „Aktuell ist das Aida“, sagt sie lächelnd. In ihrer Freizeit trifft sie sich gern mit Freunden und liest viel.

„Für Champagner bitte läuten“ steht an der Küchentür von Sylvia und Simon Sobbek. Und tatsächlich funktioniert es. Ein Knopfdruck, ein Glockenton – und schon stehen die Gläser auf der Arbeitsplatte. Als Nächstes zaubert Giorgi, bekennender Weinliebhaber seines Heimatlandes Georgien, ein paar Flaschen guten Rotweins hervor. Zur guten Stimmung tragen die musikalischen Einlagen der beiden Gäste bei. Während Ipeleng die Möhre für Simons Soße schält, wird sie von Giorgi angeschmachtet: „Là ci darem la mano“, „Reich mir die Hand, mein Leben“. Die beiden Gäste von der Staatsoper performen das Duett aus Mozarts Oper Don Giovanni in voller Länge und so stimmungsvoll, dass Simon buchstäblich Tränen in den Augen hat.

Oder kommt das von den Zwiebeln, die er zeitgleich gewürfelt hat? Gesang, Gelächter, sehr gutes Teamwork und köstliche Ergebnisse auf den Tellern, so lässt sich diese Kochrunde am besten beschreiben. Sylvia Sobbek, die Frau von Simon, ist Malerin, Galeristin und Veranstalterin von Kunst- und Musikevents. An der Küchenwand hängt eines ihrer Gemälde. Das spontane Performen in ihrer Küche ist ganz nach dem Geschmack von Simon und ihr, denn auf Reisen besucht das Paar meist auch die großen Opernhäuser dieser Welt. Sylvia war selbst schon einmal bei der internationalen Kochrunde von Hierleben dabei.
Heute unterstützt sie ihren Mann und die anderen, vor allem in Sachen Requisiten und Logistik. „Bitte eine kleine Schüssel, und ein Holzbrett …“ „Wo sind die Eier geblieben?“ „Ich brauche einen Quirl, und ist noch Champagner da?“ Beim Kochen ist heute Simon dran, als begeisterter Jäger ein Experte für Wildgerichte. Das Filet vom Rehrücken stammt von einem Tier, das er selbst erlegt und fachmännisch vorbereitet hat. Gern gibt er Tipps für den Einkauf von Rehfleisch oder anderem Wild: „Man sollte darauf achten, dass es sich um gute Qualität aus regionalen Quellen handelt. Übrigens: Wer kein Wildfleisch mag, kann mein Rezept auch mit gutem Rind oder Lamm zubereiten.“ Während die beiden Männer wirbeln, arbeitet Ipeleng ruhig und konzentriert an ihrem Puddingteig. Wenn sie nicht singt, ist sie recht still; das liegt vielleicht daran, dass sie gerade an ihre Heimat denkt. Der Malva-Pudding, so erzählt sie, ist eine traditionelle Süßspeise, die meist zu Familienfeiern auf den Tisch kommt. Klar, dass daran viele Erinnerungen hängen. Früher, so vermutet Ipeleng, wurde der Pudding in Südafrika anders zubereitet. „Malva“ ist in der Sprache Afrikaans das Wort für „Geranie“. Die Blüten und Blätter von Duftgeranien sind essbar.
Auch Giorgi schwelgt in Erinnerungen und erzählt von der Küche seiner Heimat. „Georgien ist bekannt für seine üppige Kulinarik: Fleisch im Teigmantel, oft auch mit Käse. Walnüsse sind bei uns in vielen Gerichten enthalten. Georgien ist ein bergiges Land, wo viel Milchvieh gehalten wird. Daher der Bezug zur Käserei, und es gibt bei uns auch eine sehr alte Tradition für Weizenanbau und Mehlverarbeitung.“ Chatschapuri ist ein bekanntes Gericht mit vielen Varianten in Bezug auf die Füllung. „Ich kenne mindestens zehn Rezepte“, sagt Giorgi und erzählt weiter: „Wir legen den Teig hier auf ein eckiges Blech. In Georgien wird der Teig rund zubereitet, denn in den alten Zeiten haben die Menschen die Sonne verehrt.“ Seine Frau verwendet für Chatschapuri immer Blätterteig, wodurch das Gebäck sehr zart wird. „Aber ich mag es auch mit Pizzateig, dann werden die Portionen gehaltvoller. Den Käseanteil kann man nach Belieben erhöhen, um den Geschmack zu verstärken.“
Während Vorspeise und Dessert zubereitet werden, kümmert Simon sich mit geübten Handgriffen um seinen Hauptgang. Fleisch und Zutaten sind im Nu kunstvoll auf Tellern arrangiert, und schon laden die Gastgeber zum gemeinsamen Essen ein, das köstlich schmeckt. Danach ist noch lange nicht Schluss. „Hier geht niemand, ohne vorher zu singen“, verkündet Sylvia, und so gibt es noch eine kleine Gala mit südafrikanischen und georgischen Volksliedern.
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