Wer auf den Hof des Familienbetriebs Axel Meyer in Vögelsen bei Lüneburg kommt, riecht das Gemüse, bevor er es sieht. Ein frisches Möhrenaroma liegt in der Luft und macht Appetit auf mehr. Es weht aus einer der großen Lagerhallen herüber, in der das Gemüse gewaschen, sortiert und verpackt wird. Hier produzieren die Brüder Dennis und Niklas Meyer mit ihrem Vater Axel im Auftrag der Behr AG verschiedenste Möhrenvarianten mit jeder Menge Erfahrung und Weitsicht. Damit Möhren möglichst gerade wachsen, brauchen sie lockere, steinfreie Böden. Die hier eher sandigen Böden eignen sich ideal, doch ist nicht jede Fläche gleich beschaffen. Familie Meyer baut Gemüse auf insgesamt 500 Hektar an. Wo einmal stark zehrende Möhren herangewachsen sind, brauchen die Böden fünf Jahre und verschiedene Fruchtfolgen, um sich zu erholen. Über den Flächentausch mit anderen Landwirten oder Pacht sichert sich die Familie ausreichende Anbauflächen in der Nähe.
130 Tage vom Saatkorn zur Möhre
Jeder Obst- und Gemüseanbau ist nur so gut wie die Böden, das Saatgut und die Wetterbedingungen während der Wachstumsphasen. „Um das Risiko gering zu halten, säen wir auf einem Feld von 20 Hektar Fläche drei verschiedene Sorten aus“, erklärt Niklas Meyer, der auf dem Hof den Anbau verantwortet. Etwa 100 verschiedene Arten orangefarbener Möhren gibt es weltweit. Familie Meyer baut knapp ein Dutzend an. „Die einen können Trockenheit nicht so gut vertragen, andere mögen keine Staunässe. Entsprechend wählen wir unser Saatgut.“ Ende Februar beginnt die Aussaat unter Vlies, um Frostschäden zu vermeiden. „Sie erfolgt automatisch mit einem Traktor und einem sechs Meter breiten Aufsatz. Damit können wir zwölf Reihen säen.“ Alle zehn Quadratzentimeter kommt ein Korn in den lockeren Boden. Daraus wächst, wenn das Wetter mitspielt, innerhalb von 130 Tagen eine Möhre mit einem Durchmesser von 3 bis 3,5 Zentimetern am Kopf und einer Länge von 20 Zentimetern. Gut 120 Gramm wiegt sie bei diesen Gardemaßen, die von den Kunden besonders geschätzt werden.
Erst spitz, dann rund
„Es gibt aber auch Sorten, die bereits nach 110 Tagen perfekt sind“, erzählt Dennis Meyer. Andere können 150 Tage in der Erde bleiben. Ausgesät wird bis spätestens Mitte Juli. Die Ernte läuft Anfang des Folgejahres aus, wenn die ersten Saatkörner schon wieder in die Erde kommen. „Wir sind ein Ganzjahresbetrieb, wir haben keine Winterpause“, sagt Dennis Meyer. Im Winter übersteht das Gemüse unter Stroh oder Vlies auch leichten Bodenfrost. Bleibt es nach Ende der Wachstumsphase noch in der Erde, verwächst sich die Spitze der Möhre übrigens rund. Fachleute nennen das „stumpf wachsen“. Gut 60 Personen beschäftigt der Familienbetrieb rund ums Jahr. Mühsame Handarbeit gibt es auf dem Feld nur noch in Ausnahmefällen. Die Ernte erfolgt mit speziellen Maschinen. Nach dem Transport zum Hof werden zuerst automatisch grober Sand, Steine und welkes Grün abgeschüttelt und die Möhren in einer Trommel gewaschen und gebürstet. Über Transportbänder geht’s dann in die Sortierung und Verpackung.
Bunte Möhren sind anspruchsvoller
Ursprünglich waren Möhren gelb, rot, weiß oder violett. Erst im 17. Jahrhundert entwickelten Züchter zu Ehren des niederländischen Königshauses das Gemüse in leuchtendem Orange. Seit einigen Jahren baut Familie Meyer auf 32 Hektar auch die alten bunten Sorten an. Noch ist es eher eine Nische, aber die Nachfrage wächst. „Obwohl die bunten Sorten kulturhistorisch sehr viel älter sind, ist ihr Anbau viel komplizierter und anspruchsvoller“, sagen die Möhrenexperten. „Die Varietät ist breiter, weil das Gemüse noch nicht so durchgezüchtet ist. Ein und dieselbe Sorte wächst in einem Jahr 20, im nächsten Jahr 35 Zentimeter lang.“ Aber die Meyers sind sich einig: Die bunten Möhren sehen einfach schick aus sind eine tolle Ergänzung des Sortiments.
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