Die würzigen Youngster
KRESSE bringt eine feine, pfeffrige Schärfe mit, die wunderbar zu Salaten, Brotaufstrichen und als Suppentopping schmeckt.
Foto(s): Frederik Röh, Henrik Matzen
Ihre zarten Blüten bekommt kaum jemand zu Gesicht. Die handelsübliche Kresse im bekannten Papierschächtelchen ist erst eine Woche alt, wenn sie geerntet und gegessen wird. Die jungen Keimlinge, die Kressesprossen, werden als frisches, extrascharfes Würzkraut verwendet – auf Butterbrot oder gefüllten Eiern, in Kräuterbutter, im Kartoffelsalat, zu Nudeln, auf Suppen oder in Fischgerichten. Die Aufzählung lässt sich mühelos fortführen: Gartenkresse schmeckt auch im Quark und in Kräutermayonnaise, auf Frischkäse, zu Gnocchi und zu Möhrensushi
Scharf und pikant
Der Geschmack rührt von den enthaltenen Scharfstoffen, den Senfölen. Sie sind sekundäre Pflanzenstoffe, die auch Rettich, Meerrettich, Kohl und Senf das kräftige, leicht bittere Aroma verleihen. Die sehr schnelle Keimfähigkeit der Gartenkresse wird auch zur Bestimmung von Bodenqualitäten genutzt: Beim sogenannten Kressetest sind die Samen ein Bioindikator. Verzögert sich die Keimung, kann dies ein Zeichen für eine Schadstoffbelastung in Luft oder Boden sein.
„Dein ist mein Herz“
Kresse begleitet den Menschen schon seit Jahrtausenden. Archäologen fanden Samen sogar in Pharaonengräbern. Die alten Griechen und Römer liebten das Würzkraut ebenfalls. Ein poetisches Denkmal hat der Dichter Wilhelm Müller der Kresse im Jahr 1821 mit seinem Gedicht „Die schöne Müllerin“ gesetzt, das Franz Schubert später vertonte. Darin heißt es: „Ich möcht’ es sä’n auf jedes frische Beet, mit Kressensamen, der es schnell verrät, auf jeden weißen Zettel möcht’ ich’s schreiben: Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.“ So wird sich wohl auch mancher in die Gartenkresse verlieben.
Rezepte