Zarte Sünde
Der Saint André ist ein Weichkäse, der von Feinschmeckern sehr geschätzt wird – wegen seines frisch-aromatischen Geschmacks und weil er auf der Zunge zergeht. Er ist ein Käse der Doppelrahmstufe mit 75 Prozent Fett in der Trockenmasse und dadurch besonders cremig, rahmig und zart.
„Der Saint André ist ein filigraner, dezenter Käse, mit dem man sehr viel machen kann. Birnensenfsoße ist dazu ein Gedicht! Oder karamellisierte Walnüsse und Trockenfrüchte wie Feigen und Datteln – sehr lecker!“
Natalie Fibich, Diplom-Käsesommelière im famila-Warenhaus Mellendorf
Wer diesen charmanten und reichhaltigen Franzosen, der mit einer großzügigen Portion Crème fraîche verfeinert wird, einmal probiert hat, der sündigt gern und immer wieder. Soll die Namensgebung nach einem Heiligen dafür die Absolution erteilen? Gut möglich, auch wenn es in Frankreich viele Saint Andrés gibt. Dieser Saint André nun wurde im Jahr 1974 kreiert, ursprünglich von einer Käserei im Süden Frankreichs, ganz genau in Villefranche-de-Rouergue in der Region Okzitanien. Heute wird er in der Normandie hergestellt, in der Gemeinde Vire im Département Calvados in Sichtweise des berühmten Mont St. Michel. Es handelt sich um einen Weichkäse aus pasteurisierter Kuhmilch mit kurzer Reifezeit von maximal 30 Tagen, der von einer samtig-weißen, essbaren Edelschimmelpilzrinde umhüllt ist.
Käse wie Butter
Der Saint André, der mit seinem hohen Fettgehalt von 75 Prozent in der Trockenmasse in der ausländischen Käseliteratur mitunter auch als „triple crème“ bezeichnet wird, zeichnet sich durch seinen angenehm unaufdringlichen Geschmack aus – typisch für Käse der Doppelrahmstufe, so die hiesige Bezeichnung. Sofern diese Käsesorten nicht mit Gewürzen behandelt werden, sind sie geruchlos und schmecken süßlich-mild bis leicht säuerlich. Beim Saint André kommt ein Hauch von Salz auf der Zunge dazu. Kenner bezeichnen seinen Geschmack als etwas intensiver als den eines Brie, bei dem es sich ja ebenfalls um einen Weichkäse handelt. Andere verwandte Käsesorten aus dieser Familie sind zum Beispiel Camembert, Délice de Bourgogne, Brillat-Savarin oder Boursault. Diese Käsesorten wurden ursprünglich entwickelt, um unter anderem die Verwendung von Butter zur Käseplatte überflüssig zu machen.
Logo vom Künstler
In der Käseliteratur findet sich für den Saint André mitunter die Bezeichnung „Weinbergkäse“, die Käseexperten jedoch vor ein Rätsel stellt und sie vermuten lässt, es handele sich hier um einen Fantasienamen. Möglich wäre noch ein Bezug zu den Weichkäsen, die in früheren Zeiten bei der Arbeit in den Weinbergen als Proviant dienten. Wie dem auch sei: Das Logo des Saint André zeigt ein stilisiertes Blatt, das ein Weinblatt darstellen soll, und der Hersteller hat sich sicherlich etwas dabei gedacht. Im Jahr 2016 wurde der Außenauftritt des Saint André von einer bekannten New Yorker Agentur relauncht. Das neue Logo wurde dafür von dem berühmten Designer Hugo Chevallier mit der Hand gezeichnet. Ein edler Auftritt, zu dem ein guter Weißwein passt. Dieser Käse ist wirklich jede Sünde wert.