Duft der weiten Welt
Eine fröhliche Brasilianerin, ein Sternekoch aus Indien und eine wunderbar gastfreundliche Türkin laden ein zum Festival der Genüsse. Die Küche im schleswig-holsteinischen Schönkirchen quillt über vor Gewürzen, Garnelen, Gemüse und Gebäck.
Luciana Wohlberg
Wenn sie hereinkommt, geht die Sonne auf: Luciana strahlt und lacht, ist gleichzeitig weltoffen und doch angenehm zurückhaltend. Die 45-Jährige hat die ersten zehn Jahre ihres Lebens in Brasilien verbracht und ist stolz auf ihre Wurzeln. Jedes zweite Jahr besucht sie zusammen mit ihrer Familie ihre Eltern, Tante und Großmutter in Südamerika. In ihrem deutschen Heimatort, dem niedersächsischen Rotenburg, ist sie Lehrerin für Englisch und Spanisch. Sie tanzt gern und spielt Tennis. Und Kochen ist natürlich ihr Hobby: „Das mache ich aus Freude.“ Man glaubt es ihr sofort.
Preetam Singh Sodi
Er ist der heimliche Star des Abends: Als Preetam die Küche betritt, richten sich alle Augen auf ihn. Ein roter Turban, ein sorgfältig gestutzter Vollbart, ein strahlendweiße Kochjacke – der 33 Jahre alte Inder hat schon in den renommiertesten Häusern in seiner Heimat, in Singapur, China und auf den Malediven gekocht. Preetam ist ein wahrer Künstler in der Küche, alle verfolgen seine Bewegungen und hören ihm gern zu, wenn er seinen Mix aus Englisch und Deutsch spricht. Und natürlich wollen nach diesem Abend alle mal ins indische Restaurant Haveli nach Kiel, wo Preetam Küchenchef ist.
Burcu Cay
Burcus Eltern kommen aus Izmir in der Türkei, ihr Mann Birol hat ebenfalls türkische Wurzeln, und doch ist die 35-Jährige eigentlich Schleswig-Holsteinerin. Hier ist sie geboren, hier hat sie ihre beiden Kinder bekommen, hier lebt sie in einem sehr schönen, hübsch eingerichteten Haus im Kreis Plön. „Ich bin ja eigentlich nur Hausfrau“, sagt Burcu etwas bescheiden. Aber ohne sie, das wird schnell deutlich, würde hier gar nichts laufen. Sie ist für die Kinder da, kocht – natürlich auch sehr gern türkisch –, geht mit Hund Emma spazieren und hält ihrem Mann den Rücken frei.

Das wird eine große Kochrunde heute: Überall im Hause Cay in Schönkirchen wuseln kleine und große Menschen herum. Alle drei Teilnehmer der internationalen Kochrunde haben Freunde oder Familie mitgebracht, sodass es tatsächlich 13 Leute sind. Alle haben Lust, sind voller Vorfreude und Neugier. Am Anfang wird sich ein wenig beschnuppert. Burcus Mann Birol hat die Kochrunde zusammengebracht. Nun soll losgelegt werden, und alle holen frisches Gemüse, Süßkartoffeln, Garnelen und vor allem jede Menge frische Gewürze hervor. Da Burcus türkische Lokmas wegen der Hefe Zeit zum Gären brauchen, hilft die 35-Jährige den anderen beim Schnippeln. Hier und wir Sowohl die Brasilianerin Luciana als auch der Inder Preetam müssen Zwiebeln schneiden – mit einem Unterschied: „In Indien kochen wir nur mit roten Zwiebeln“, erzählt Preetam. „Burcu, hast du Kümmel?“ Die Hausherrin reicht ihm welchen. „Oh, das ist deutscher Kümmel. Der ist komplett anders als der in Indien.“ Dann kommt noch Koriander ins Spiel, und Luciana und Preetam stellen fest, dass sie ihn beide lieben.
Während der Sternekoch Chili schneidet, schildert er die Unterschiede zwischen der deutschen und der indischen Küche. „Die Deutschen lieben Kartoffeln, Kartoffeln, Kartoffeln. Und Knooodel“, sagt er mit lustigem Akzent und lacht. „Die Portionen hier sind sehr groß, die Küche ist interessant, aber simpel. In Indien sind die Gerichte gesund, vitalisierend und machen nicht so träge.“ An jeder Ecke gibt es leckeres „Street food“ – ach, das klingt einfach verlockend, vor allem, wenn man sieht, wie Preetam Kartoffelplätzchen zaubert. Zu den geriebenen Kartoffeln kommen Zwiebeln, Koriander, Chili und Ingwer. Alles wird per Hand geknetet.
Zeit für eine kleine Getränkerunde zwischendurch. Fast alle gönnen sich einen Weißwein oder Rotwein. Der Inder nippt an seinem schwarzen Tee. Die Kinder und auch die Ehemänner oder Arbeitskollegen stecken alle naslang ihre Köpfe in die schöne, große Küche. Die Stimmung wird immer fröhlicher, die Kinder tauen auf und erklären, welche Gerichte sie gern bei Mama essen. „Wir mögen Schwarze Bohnen“, sagen Flora und Leander. Mama Luciana lacht und erklärt, dass das ein brasilianischer Eintopf mit Schweinefleisch – und eben Bohnen – sei. Ein Nationalgericht.
Die Kinder von Burcu und Birol mögen gern Joghurtsuppe oder auch gefüllte Teigtaschen. Und natürlich den neuen Cay Gourmet Haselnussaufstrich, den Papa Birol in vielen Supermärkten vertreibt, übrigens auch bei famila und Markant. „Den habe ich entwickelt, weil meine Kinder Nutella-Monster sind. Ich hab‘ mir gedacht: Das kann ich doch besser. Und nun haben wir drei verschiedene Haselnusscremes, die alle ohne Palmöl auskommen.“ In der Tat sehr, sehr lecker: Burcu füllt ihre Teigtaschen mit dieser Creme. Dafür nimmt sie eine ungenutzte Fiebersaftspritze der Kinder. „Lokmas sind ein jahrhundealtes türkisches Gericht. Meine Lokmas für heute Abend sind die moderne Variante“, sagt sie gut gelaunt. Am meisten zu tun hat eigentlich Luciana. Ihre brasilianische Garnelensuppe ist ein bisschen aufwendiger. Die Garnelen müssen in einer Kräutermarinade 30 Minuten eingelegt werden. Und die Süßkartoffeln werden nach dem Kochen noch püriert und mit Kokosmilch verfeinert. Luciana zieht ihre Nase kraus und lächelt: „Ja, das ist schon ein bisschen kompliziert.“ Aber sooo lecker. „Mit Reis ist es auch eine tolle Hauptspeise.“ In ihre Heimat Recife im Nordosten Brasiliens fährt sie oft. „Die Brasilianer sind lebendig, tanzen viel, treffen sich gern mit vielen Leuten zum Mittagessen“, plaudert die 45-Jährige. „Und unpünktlich sind sie“, ergänzt ihr Mann Enno, der gerade um die Ecke kommt. Die beiden lachen.
Preekam, der Inder, muss sich nun leider zusammen mit seinem Restaurantchef Amin Bhinder verabschieden. Die beiden müssen an diesem Abend noch zur Eröffnung eines weiteren Restaurants in Surendorf bei Kiel. Alle anderen setzen sich an den stilvoll gedeckten Tisch und genießen die kulinarischen Genüsse von drei Kontinenten. Was für ein charmanter und interessanter internationaler Kochabend!