Schade, dass ich so gut wie nie hier bin“, sagt Tanja und schaut sich in der hellen, großen und gut sortierten Küche der Bruno-Lorenzen-Schule in Schleswig um. Sie war etwas unsicher, ob sie sich in einer anderen als ihrer eigenen Küche zurechtfindet, aber die Schränke sind voll mit Kochutensilien. Alles ist da, was sie braucht. Sie fischt eine Reibe aus einer Schublade und raspelt ein paar Möhren. Kartoffeln hat sie bereits geschält und gewürfelt und als erste Schicht in braune Tontöpfe gefüllt, die dem Gericht den Namen geben. „Sie heißen Gorschotschki“, erklärt Tanja. „Ich habe sie aus meiner Heimat mitgebracht, aber man bekommt sie in russischen Läden auch hierzulande.“ Einen Tipp hat sie für alle, die erst einmal ausprobieren wollen: Statt in die Töpfe kann man die Zutaten auch in Päckchen aus Alufolie füllen.
An der mittleren Kochstation hat Lisa ihre Zutaten ausgebreitet, die Auberginenscheiben bereits gesalzen und Koriander, Petersilie und Walnüsse in den Mixer gefüllt. Daneben liegen ein paar Tüten mit Gewürzen – beschriftet in georgischer Schrift. „Viele denken, das sei kyrillisch, aber damit hat es gar nichts zu tun“, erklärt Lisa. Die georgische Schrift ist eine der ältesten der Welt, die hübschen geschwungenen Zeichen sehen fast fernöstlich aus. Es gibt 33 Buchstaben – für jeden Laut einen. Die typischen Gewürzmischungen hat ihre Familie aus der alten Heimat mitgebracht. „Diese gehört unbedingt in Badridschani“, sagt Lisa und zeigt auf eine Tüte mit der Aufschrift Khmeli suneli, übersetzt: getrocknete Kräuter. Hier ist es eine Mischung aus Safran, Lorbeer und Koriander.
„Natürlich kann man die Gewürze auch einzeln zum Gericht geben“, erklärt sie. Badridschani sei ein ganz typisches Gericht der georgischen Küche: „Bei uns ist fast alles mit Walnüssen und oft mit Knoblauch.“ Audrey hat ein Nudelholz gefunden und rollt den Mürbeteig aus. Während er ruht, hat sie Zeit, die Äpfel zu schneiden, die eine Kollegin ihr mitgebracht hat. „Wichtig ist, dass man schön säuerliche zum Kochen nimmt“, sagt sie. „Apple Tart ist ein typisch irischer Nachtisch. Ich mache ihn oft für meine Familie. Meine Mama macht ihn mir aber auch zu Hause – ein Wunsch-Nachtisch!“ Audrey verrät, dass sie immer noch viel Heimweh hat. Auch den feinen irischen Humor vermisst sie. Und Craic – das ist so etwas, wie eine schöne Zeit zu haben.
„Ich habe hier mein Leben aufgebaut“, sagt Lisa, während sie die Füllung auf die gebratenen Auberginenscheiben streicht und diese akkurat aufrollt. „Ich vermisse nichts, außer georgisches Essen und unsere Feierkultur mit schönen Trinksprüchen und Tänzen. Das ist bei uns ähnlich wie in Italien – immer kommen viele Menschen zusammen.“ Tanja hat mittlerweile Fleisch, Gemüse und Pilze in die Töpfe geschichtet. „Du kannst eigentlich alles austauschen und an Fleisch und Gemüse nehmen, was du gerade vorrätig hast.“ Anstelle von selbst gesammelten Waldpilzen hat sie sich für Champignons entschieden. „Das ist so ein einfaches Essen. Meine Oma hat es immer in einem Holzofen gemacht. Vor einigen Jahren haben wir alle noch einfach gelebt“, sagt sie. In einigen Dörfern Weissrusslands gebe es bis heute kein fließendes Wasser. „Viele haben immer noch eine Datscha mit Garten und bauen Kartoffeln, Möhren und anderes Gemüse an.“ Sie gießt die Mischung aus Sahne und Crème fraîche in die Töpfe und schmunzelt: „Das Gericht ist nicht kalorienarm – aber lecker!“
Der Hauptgang und die Tarte zum Dessert, die in einem tiefen Teller statt in einer Kuchenform gebacken wird, garen im Ofen. Lisa hat alle Auberginenscheiben gefüllt und aufgerollt. Es wird Zeit fürs gemeinsame Essen zusammen mit Schulleiter Eike Petersen und zum weiteren Austausch über die verschiedenen Esskulturen – und irgendwann auch wieder zum Besprechen von Themen aus dem Schulalltag.
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