Da ist sofort ein Draht zwischen den Frauen, obwohl sie sich zum ersten Mal treffen. Tatsächlich sind sie so etwas wie Kolleginnen: Alle drei arbeiten als Dozentinnen für die Förde-vhs. Ihr gemeinsames Thema: kulturelle Genüsse. Filiz bietet am heutigen Treffpunkt, der geräumigen Küche des Schulzentrums Altenholz, Kurse an und zeigt den anderen, wo Schüsseln, Messer und Töpfe sind. Noch schnell ein Selfie für das Team, dann sucht sich jede einen Platz zum Arbeiten. In den Kursen der Volkshochschulen kann man typische Gerichte aus anderen Ländern entdecken, manchmal sogar in der Landessprache. Jacqueline, die Niederländerin, backt leidenschaftlich gern. Ihre Spezialität sind Kekse. „Ihr in Deutschland habt wunderbare Plätzchen, aber backt sie nur einen Monat im Jahr, im Advent. Den Rest des Jahres kaufen viele einfach Gebäck“, sagt sie schmunzelnd. In den Niederlanden ist das anders. Dort gibt es zahlreiche traditionelle Rezepte, die rund ums Jahr gebacken werden.
Heute hat sie sich allerdings für die Süßspeise Vanillevla entschieden, einen schnell gemachten niederländischen Dessertklassiker. Milch, Eier, Vanille, Zucker und etwas Maisstärke genügen. „Man kann auch Mehl nehmen, aber so ist das Dessert sogar glutenfrei“, erklärt Jacqueline, während sie die Milch auf dem Herd unter Rühren aufkochen lässt. Gegenüber wirbelt Silvana mit italienischem Temperament für zwei – obwohl sie „nur“ Halbitalienerin ist. In ihren VHS-Kochabenden stellt sie gern weniger bekannte Rezepte vor. Ihr Herz schlägt für gute italienische Produkte. „Die in Deutschland zu finden, ist gar nicht so leicht“, sagt sie und verdreht im Spaß die Augen. Besonders kritisch ist sie beim Olivenöl. Kein Wunder: Sie bringt es direkt aus Italien mit, von eigenen Olivenbäumen. In der Nähe von Assisi, der Heimat ihres Vaters, steht ein alter, kleiner Palazzo. „Fast jeden Urlaub fahre ich dorthin“, erzählt sie. Im Herbst presst ein Bekannter aus den reifen Oliven in einer alten mechanischen Mühle das aromatische Öl.
Filiz knetet inzwischen den Teig für ihr Pfannenbrot. Aus dem Ofen strömen bereits die Düfte der Gewürze, in denen sie das Gemüse mariniert hat. „Hier kann man wunderbar variieren und auch Gewürze verschiedener Esskulturen kombinieren.“ Lachend erzählt sie, dass sie das Kochen erst mit 30 gelernt hat. „Während des Studiums habe ich in WGs gewohnt. Alle konnten kochen – nur ich nicht.“ Auf ihren vielen Reisen lernte sie typische Gerichte fremder Länder kennen und begann, sie selbst zuzubereiten. „Ausgerechnet die türkische Küche zuletzt.“ Heute bietet Filiz regelmäßig Kochpartys an. „Die türkische Küche ist viel mehr als Döner und Börek. Sie ist eine Welt aus duftenden Kräutern, geschmorten Speisen und feinen Aromen.“
Ihre besondere Liebe gilt vegetarischen Mezze, kleinen Vorspeisen aus dem Orient, die in der Mitte des Tisches serviert werden. „Das ist bei mir eine kulinarische Reise durch die Küchen Istanbuls und Tel Avivs – bunt, aromatisch und voller Lebensfreude.“ Während sie Joghurt mit ihrem Lieblings- Tahin verrührt, brät Silvana das Fleisch für das Hauptgericht. Jacqueline hat ihr Dessert längst zum Abkühlen in den Kühlschrank gestellt und improvisiert: Aus übrig gebliebenem Eiweiß backt sie im Handumdrehen knusprige Mandelbaisers. Und zaubert noch einen niederländischen Klassiker mit Retro- Charme. „Als Kinder wurden wir oft gefragt: Möchtest du Vla, Joghurt oder beides?“ Die Kombination daraus ist der Vla-Flip, gekrönt mit Fruchtsirup.
Beim Kochen sind alle ordentlich hungrig geworden. Höchste Zeit, alles zu probieren und während des Essens weiter zu plaudern – über Kochkurse, Küchengeheimnisse und kulinarische Erinnerungen aus der Heimat. Für die wenigen Reste des Menüs stehen Vorratsdosen bereit. Ein Tipp, den die Dozentinnen auch ihren Kursteilnehmern immer gern mitgeben.
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