Latifa ist gerade im Abiturstress und erzählt: „Wenn ich für meine drei Brüder koche und es ihnen schmeckt, fühle ich Glück.“ Giovanna erinnert sich, dass sie als Kind ihrer brasilianischen Großmama beim Kochen über die Schulter schaute und Glück empfand, wenn sie nicht nur probieren, sondern auch mit dem Löffel in der Suppe rühren durfte. „Und überhaupt ist es jedes Mal toll, wenn meine brasilianische und deutsche Verwandtschaft zusammentrifft und jeder etwas kocht“, sagt sie. Erla hat schon als Zehnjährige angefangen zu kochen und sich gefreut, wenn ihr das Essen gelang. Und Claudio, als Kantinenchef für die Sekundarstufe zuständig und Anlaufpunkt für rund 200 Schülerinnen und Schüler, ist sowieso davon überzeugt, dass Kochen alle Sinne anspricht und glücklich macht: „Man kann mit Aromen, Techniken und Zutaten experimentieren und arbeitet mit frischen Produkten.“
Nach dem philosophischen Exkurs über die Verbindung zwischen Glück und Kochen geht es ans Schnippeln. Auf dem Tisch türmen sich Gurken, Eisbergsalat, Zwiebeln und Nüsse. Erlas Salat passt perfekt zum Sommer. „Vor allem mag ich den Schafskäse, der für eine würzige, salzige Note und eine cremige Konsistenz sorgt. Eine perfekte Ergänzung zum frischen Gemüse.“ Diesen für den Balkan typischen Salat gebe es in unzähligen Varianten. „Die albanische Küche ist herzhaft und mediterran-orientalisch geprägt. Sie setzt auf frisches Gemüse, Lammfleisch, Joghurt und Olivenöl“, erzählt die 18-Jährige, die oft Sehnsucht nach ihrer Heimat hat. Vor allem nach Tirana, wo sie die Kindheit verbracht hat. Ihr gefällt die wilde Mischung aus sozialistischem Erbe, den alten Balkantraditionen und urbanem Lifestyle. Und sie vermisst die wunderschönen Strände in der Nähe der Hauptstadt. Erla erzählt, dass sie einmal auf Klassenfahrt auf der Insel Rügen so gefroren habe wie noch nie. „Ich war nicht richtig angezogen, weil ich dachte, dass es dort so warm wie an der albanischen Riviera ist.“ Latifa und Giovanna müssen lachen. „Wenn wir in Ghana sind, dann fahren wir auch in die Hauptstadt Accra und gehen dort an den Strand“, berichtet Latifa. Und Giovanna erzählt: „Fliegen wir nach Rio, geht es gar nicht ohne Strandleben. Die Familie mietet sich an einem Strand ein Haus, und viele Verwandte kommen hinzu.“
Doch jetzt muss Latifa sich um ihr Gericht kümmern. Die Soße hat sie schon zu Hause zubereitet, da sie lange köcheln muss. Sie mariniert die Hähnchenschenkel, schiebt sie in den Ofen und wäscht den Reis. Der kommt ungekocht in die Soße. „Ich muss aufpassen, dass nichts anbrennt.“ Auch Giovanna hat ihre Brigadeiro-Masse schon vorbereitet und zu Hause abkühlen lassen. „Als ich zwölf Jahre alt wurde, habe ich zum ersten Mal Brigadeiros zubereitet. Seitdem gibt es sie immer zu meinem Geburtstag.“ Die schokoladigen Köstlichkeiten wurden nach dem Brigadegeneral Eduardo Gomes benannt, der 1946 für die Präsidentschaft kandidierte. Frauen in Rio de Janeiro kreierten die Pralinen, um Spenden für seine Kampagne zu sammeln. Zwar verlor er die Wahl, aber die Brigadeiros avancierten in ganz Brasilien zum Lieblingsdessert und dürfen bei Festen und Feiern nicht fehlen.
Giovanna formt mit gefetteten Händen geschickt eine Kugel nach der anderen. Man sieht, dass sie das schon oft geübt hat. Latifa schaut nach ihrem Gericht. „Jollof lebt von seiner würzigen Tomatensoße und der typisch körnigen Konsistenz des Reises. Er nimmt die Flüssigkeit gut auf, ohne zu zerfallen oder matschig zu werden.“ Diesmal ist Latifa mit dem Ergebnis nicht so recht zufrieden. „Latifa, es schmeckt!“, versichern ihr alle. Am Ende der Mahlzeit sehen alle glücklich aus. Wie passend, dass Erla und Giovanna in ihrer Projektwoche gerade über das Thema Glück diskutieren.
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