Liebling des Nordens
Norddeutsche Käsegenießer lieben den Tilsiter und seine Abkömmlinge, also alle würzigen Schnittkäse, die ähnlich wie ein Original-Tilsiter hergestellt werden. Dazu haben viele Käsereien ihre regionalen Sorten entwickelt, eigene Akzente gesetzt und interessante Variationen des herkömmlichen Rezepts entwickelt. Der Marienburger gehört dazu.
Ich mag den Marienburger sehr gern zum Tee, als dicke Scheibe auf einem kräftigen Schwarzbrot. Außerdem habe ich noch ein gutes Rezept für Lasagne entdeckt – die schmeckt mit Marienburger überbacken ganz fantastisch.
Doris Clausen, Käseexpertin im famila-Warenhaus Husum
Der Marienburger stammt von der Nordseeküste und reift in den Käsekellern der Marke Gut von Holstein heran. Ein Name, der für 100 Prozent Herstellung in Schleswig-Holstein steht und dort, mit Hauptsitz in Bad Bramstedt, gut 1.700 Milchbetriebe und sieben Gesellschafter-Meiereien vereint. Der Marienburger hat mit 60 Prozent Fett in der Trockenmasse einen höheren Fettgehalt als andere Tilsiter aus Holstein oder Mecklenburg und ist damit sehr saftig und sahnig sowie leicht würzig. Der leckere, etwa vier Wochen naturgereifte Käse aus Kuhmilch entsteht ohne Zusatz von Konservierungs und Farbstoffen und weist die genießbare Rotschmiere-Rinde und die typische Schlitzlochung eines Tilsiters auf. Außerdem wird er ohne Gentechnik hergestellt.
Ausflug in die Käsegeschichte des Ostens
Der Marienburger trägt den Namen einer bedeutenden westpreußischen Stadt. In Marienburg, heute das polnische Malbork, thront hoch über dem Ufer des Flusses Nogat die gleichnamige mittelalterliche Ordensritterburg: ein geschichtsträchtiger Ort, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. West- und Ostpreußen waren in früheren Jahrhunderten Einwanderungsregionen. Ebenso wie die Wurzeln des Käses aus Tilsit an der Memel von Ordensrittern und Migranten aus dem Westen gelegt wurden, haben an der Nogat und in den Niederungen der Weichsel Einwanderer aus den Niederlanden schon im 16. Jahrhundert einen weichen Käse nach Tilsiter Art hergestellt. Die Namensgebung des modernen Marienburgers kann demnach als Bezugnahme auf seine historischen Wurzeln verstanden werden.
Spezialität aus Dithmarschen
Der moderne Marienburger stammt aus dem Herzen Schleswig-Holsteins, aus Dithmarschen, und wird von seinen Herstellern als Käse von Spitzenqualität beschrieben. Neben den traditionellen Rezepten und der ursprünglichen Kunst der Käseherstellung ist die Basis dafür die gute Milch. Sie stammt von Kühen, die im Land zwischen den Meeren auf saftigen Wiesen grasen und mit hochwertigem Futter versorgt werden. Auf den Höfen, die Milch an Gut von Holstein liefern, wird der Großteil des Futters selbst angebaut und geerntet. So kann genau bestimmt werden, welche Nährstoffe die Kühe bekommen. Außerdem passen die Landwirte die Fütterung jeder Kuh individuell ihren Bedürfnissen an. Kein Wunder, dass ein mit so hochwertig produzierter Milch hergestellter Käse auch weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus sehr beliebt ist.