Kulinarische Dreieinigkeit
Dort, wo die Wurzeln unserer drei Köchinnen liegen, werden gutes Essen und Gastfreundschaft gefeiert. Das bekräftigen auch Daniela, Stéphanie und Inna, die sich mit ihrer Kochkunst vor ihrer Heimat und ihren Familien verbeugen.
Daniela Suchak
Ihre Büfetts sind so legendär, dass ihr einmal der Chef eines Restaurants spontan eine Stelle anbot. „Ich liebe Gäste. Wenn wir Feste feiern, dann fahre ich richtig auf, mit Musik und Tanz und allem, was dazugehört“, erzählt die temperamentvolle Polin, die aus der Stadt Thorn stammt und seit 1987 in Hannover lebt. Das Kochen hat sie von ihrer Mama gelernt, deren traditionelle Küche sie modern interpretiert. Die Mutter zweier erwachsener Söhne arbeitet in einer Beratungsstelle und betreut depressive Menschen.
Stéphanie Zenker
Die Mutter war Opernsängerin aus Limoges, der Vater ein deutscher Cellist. So wuchs Stéphanie zweisprachig in Hannover auf, studierte Grafikdesign, absolvierte zudem noch eine Lehre zur Hotelfachfrau. Sie erinnert sich gern an die großen Familienfeste bei ihren Großeltern in Frankreich, wo immer köstlich getafelt wurde. Das Land wurde ihr zur zweiten Heimat. Jetzt lebt und arbeitet einer ihrer Söhne in Paris. Ein Grund mehr, um regelmäßig in ihr Lieblingsland zu reisen und auch in puncto Kochen auf der Höhe zu bleiben.
Inna Zrayenko
Sie wurde in der Ukraine geboren, studierte dort Ingenieurswirtschaft und kam vor 18 Jahren nach Hannover, wo sie sich ganz der Kunst verschrieb. Inna malt, töpfert, schreibt Gedichte und Märchen, übersetzt Gedichte von Rilke und Heine ins Ukrainische, nahm an Literaturwettbewerben teil und wandert gern auf Goethes Spuren. Kochen ist für Inna auch ein bisschen wie Poesie. Sie besitzt eine große Rezeptsammlung und möchte gern ein Kochbuch herausgeben. Jedes Rezept erhält den Namen der Person, bei der sie es kennenlernte.
Das offen gestaltete Entrée in Danielas Haus gibt den Blick frei auf schöne Dinge, auf die antike Standuhr, auf alte Porträts in Goldrahmen, auf die verschnörkelte Kommode. Sie ist dekoriert mit wunderschönen Glaskaraffen in unterschiedlichen Formen und Größen, die mit verheißungsvollen Wässerchen gefüllt sind. „Meine selbst gemachten Liköre“, erklärt Daniela und hält eine Karaffe gegen das Licht, sodass die goldgelbe Flüssigkeit wie Bernstein leuchtet. „Ich setze Sauerkirschen, Walnüsse oder Mirabellen mit Alkohol an.“ Auch am bereits gedeckten Tisch in der großen Küche bewundern die Mitköchinnen Stéphanie und Inna die Vorliebe ihrer Gastgeberin für stilvolle Tischgestaltung. Stiefmütterchen hat sie in gläserne Art-déco-Lampenglocken gesetzt, und in den porzellanenen Untersetzern findet sich das Stiefmütterchen-Dekor wieder. Die filigranen Blumenarrangements passen perfekt zum weißen Porzellan und edlen Besteck. Daniela hat ein Pfefferminzgetränk zubereitet und mit Limettenscheiben garniert, denn zuerst soll es einen Begrüßungstrunk geben. Auf dem Backblech warten schon die von Daniela vorbereiteten kleinen Brötchen, die zuerst in den Ofen müssen. Der Backofen spielt heute eine Hauptrolle. Stéphanie braucht ihn für ihre Terrine de crabe, Inna für ihren Kuchen.
Während Daniela das Gemüse raspelt, schlägt Stéphanie die Eier in eine Schüssel, verrührt sie mit Sahne und den Gewürzen und gießt die Mischung über das Flusskrebsfleisch in eine längliche Terrine. Sie stellt die Form in eine mit Wasser gefüllte Porzellanschale. „Die Brötchen sind gut“, ruft Stéphanie und öffnet den Herd. „Ich brauche den Ofen, damit die Terrine im Bain-Marie stocken kann.“
Auf dem Herd köchelt das Süppchen vor sich hin. „Diese Suppe war früher in Polen ein Arme-Leute-Essen, schließlich wuchs Sauerampfer überall auf den Wiesen“, weiß Daniela und erläutert, dass das Kraut neben vielen tollen Eigenschaften auch Oxalsäure enthält, die in hoher Dosierung bei Menschen mit Nierenproblemen die Bildung von Nierensteinen begünstigen kann. „Diese Wirkung lässt sich durch das Eiweiß, das in den hartgekochten Eiern steckt, abmildern.“ „Hier geht es ja ein bisschen zu wie in der Hexenküche“, meint Stéphanie und lacht. „In einem französischen Kochbuch las ich, dass Salz, Fett, Säure und Hitze die vier Grundpfeiler einer gelungenen Küche ausmachen.“
Sie steckt die Kräuter für ihren Linsensalat in ein Glas und zückt ihre Schere. „So lassen sie sich spielend leicht zerschneiden.“ „Was für eine praktische Methode“, kommentiert Inna und schneidet ihre eingeweichten und mittlerweile abgetropften Rosinen für den Kuchen mit einem Messer klein. „Der Kuchenteig muss die richtige Konsistenz haben, er muss flüssig wie ein Crêpe- oder Eierkuchenteig sein.“ Stéphanie prüft, ob ihre Terrine schon fest ist. „Sie kann raus aus dem Ofen, muss jetzt nur noch abkühlen.“ Perfektes Timing für Innas Kuchen, der 40 Minuten backen muss.
Stéphanie bereitet die Mayonnaise zu – eine nicht ganz leichte Aufgabe, wie Inna findet. Doch sie gelingt perfekt. „Wichtig ist“, sagt sie, „dass die Zutaten Ei, Senf und Öl die gleiche Temperatur haben, am besten Kühlschranktemperatur.“ Daniela sucht den Pfeffer, öffnet die Küchenschränke. Staunend entdecken ihre Mitköchinnen noch mehr Flaschen mit angesetzten Likören. „Ich experimentiere gern“, erzählt die Gastgeberin. „Zum Beispiel mache ich aus Papaya-Samen Pfeffer und aus selbst gesammelten Pilzen Pulver für meine Soßen.“ Inna ist wie elektrisiert. „Wo findet ihr hier Pilze?“ Andrzej, Danielas Mann, wird gerufen. „Da musst du in Richtung Celle fahren, dann links in den Wald und nochmals links.“ Alle müssen lachen und lassen sich nicht zweimal bitten, am Tisch Platz zu nehmen. Danielas Süppchen ist ein Genuss. „Ein gelungener Auftakt“, beglückwünschen Stéphanie und Inna sie. „Ich bin mir ganz sicher“, sagt Daniela, „eure Gerichte werden genauso gut schmecken. Wir sind eine kulinarische Dreieinigkeit.“
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