Drei voll berufstätige Frauen mit ganz unterschiedlichen Wurzeln: Das verspricht, ein interessanter Austausch mit spannenden Gesprächen zu werden. Valentina kommt etwas abgehetzt in Barbaras Küche an. Es ist Samstag, und sie hatte bei einem Fußballturnier ihres Sohnes zugeschaut. Dafür hat die Gastgeberin volles Verständnis – sie kennt das selbst. Jetzt kann es losgehen, mit einer „ganz einfachen Suppe“, wie Valentina ihre Vorspeise beschreibt.
Warum schleppt sie dann so schwer an einer riesigen Einkaufstasche? Es scheint, als habe sie einen Großeinkauf in der Gemüseabteilung hinter sich. Tatsächlich wäre sie in Russland nur kurz in den Garten oder in die Vorratskammer gegangen. „Die meisten russischen Frauen arbeiten und haben wenig Zeit. Beim Kochen muss es schnell gehen. Daher nimmt man das, was man gerade zu Hause hat, und macht etwas daraus.“ Sie selbst koche immer nach Gefühl und ohne Rezept, sagt sie, während sie den anderen beiden Schälmesser in die Hand drückt, um den Gemüseberg, die Kräuter und frischen Champignons zu zerkleinern. Auch das ist typisch für Valentinas Heimat: „Alle packen an und helfen mit.“ Barbara legt ein dickes Kochbuch zur Seite, in dem sie bis zur Ankunft der anderen noch geblättert hatte.
Sie zeigt ihr Rezept, und die Spuren auf einigen Seiten verraten: Dieses Buch wurde viel benutzt. „Das ist das Donauland-Kochbuch, das mir meine Mutter geschenkt hat, als ich nach Deutschland ging. Es enthält eine umfassende Sammlung traditioneller österreichischer Rezepte und ist mein größter Schatz.“ Darin steht auch, dass die Kartoffeln für den Teig der Powidltascherln schon am Vorabend gekocht werden müssen. Dann wird die Stärke abgebaut, sodass der Teig später nicht zäh wird. Die gekochten Kartoffeln können gestampft werden und dürfen über Nacht stehen, aber der Teig muss nach der Zubereitung zügig verarbeitet werden.
Barbara und Valentina haben halbwüchsige Kinder und lieben Zeitmanagement und gute Planung. Laleh hat dafür ein passendes Rezept ausgewählt: „Das Hauptgericht geht richtig schnell. Normalerweise dauert die Zubereitung persischer Speisen bis zu fünf Stunden.“ Sie holt eine Dose mit feinem Pulver hervor – ein kleiner Schatz: „Das ist gemahlener Safran. Meine Mutter hat ihn zubereitet und mir mitgegeben.“ Laleh beschreibt, wie aufwendig aus den Staubfäden der Safranpflanze das aromatische und für die Küche Persiens so wichtige Gewürz gewonnen wird. Safranfäden werden mit einem Löffelrücken oder Mörser zu Pulver zermahlen. Laleh übergießt es mit etwas heißem Wasser und lässt es einige Minuten ziehen, bevor sie es mit Reis vermischt. Eine Besonderheit ihres Gerichts heißt Tahdig. Laleh erklärt: „Das ist eine typische Kruste aus Reis oder Kartoffeln. Sie bildet sich, wenn die Speise im Topf mit genügend Fett und bei geschlossenem Deckel gart.“
Auf der Arbeitsplatte hat Barbara inzwischen ihren Teig geknetet und ausgerollt und erzählt dabei von ihrer österreichischen Heimat. Auf die Frage, ob ihre Powidltascherln statt mit Pflaumenmus auch mit anderem Fruchtmus gefüllt werden könnten, kommt die energische Antwort: „Nein! Powidl ist aus Pflaumen, daher muss es Pflaumenmus sein.“ Natürlich hat sie es selbst gemacht und höchstpersönlich aus Österreich in die Wedemark importiert. Alles andere wäre nicht traditionell. Mit diesen Worten lässt sie „Staubzucker“ auf die fertige Mehlspeise rieseln. Valentina und Laleh schauen sich fragend an, bis sie merken, dass es sich um das österreichische Wort für ganz normalen Puderzucker handelt. Für Laleh beginnt am Herd der Endspurt. Der Reistopf mit Hähnchen und Bohnen ist fertig. Sie stürzt den Topfinhalt in eine Schüssel und atmet erleichtert auf: Der Tahdig ist so gelungen, wie sie ihn von zu Hause kennt. Es duftet köstlich – höchste Zeit für alle, am gedeckten Tisch Platz zu nehmen.
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