Es schmeckt wie bei Mama

Granatapfel, Couscous und dicke Kefir-Pfannkuchen: Drei junge Frauen kochen für das internationale Hierleben-Menü Speisen mit Zutaten, die ihnen ein angenehm warmes Gefühl von Heimat geben.

Foto(s): Frederik Röh
Sona Liermann
Saisonale, frische Zutaten sind für die Arme­nierin Sona Ehrensache. Die Vegetarierin kocht sehr gern und überrascht oft Freunde mit armenischen Gerichten und Kompositionen aus verschiedenen Küchen. Wildpflanzen und Kräuter spielen dabei eine wichtige Rolle. Den orientalischen Salat, den Sona heute ausgesucht hat, gibt es häufig in ihrer Heimat, als Vorspeise oder als Hauptgericht. Fotografie ist neben der Vorliebe für leckeres Essen eine weitere Leidenschaft der 28-jährigen Studentin der Fachrichtung „International Business and Sustainability“. Hochzeiten sind ihre Spezialität, künst­lerisch gesehen.
Begoña Picazo Muñoz
Wie ihre Kommilitonin Sona studiert auch Begoña Wirtschaft mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Die Spanierin aus Albacete interessiert sich dafür, wie man mit nachhaltigem Konsum die Umwelt schonen kann. Nach dem Studium wird die 27-Jährige eine Zeitlang mit ­ihrem deutschen Freund nach Italien gehen – und irgendwann vielleicht ein Unternehmen gründen. So etwas wie „ResQ“, eine App, die sie gern nutzt und für deren Anbieter sie arbeitet. „ResQ“ zeigt an, wo übriggebliebenes Essen von ­Restaurants oder Bäckereien günstig erhältlich ist. Viele Gastronomen fragen mittlerweile, ob sie mitmachen können.
Valeriya Bogdanova
Was in Deutschland der Eierpfannkuchen und in Österreich der Kaiserschmarrn können, schaffen die Oladji in Russland: Kinderherzen beglücken – und die von Erwachsenen. „Die leckeren Mehlspeisen hat meine Oma immer für mich gemacht“, erzählt Valeriya. „Wenn ich sie heute zubereite, erlebe ich ein wunderbares Gefühl aus der Kindheit.“ Seit neun Jahren lebt die Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin in Deutschland. Wenn sie nicht arbeitet oder kocht, macht die 31-Jährige gern Handarbeiten, Krafttraining, geht ins Kino oder in die Oper. Sprachbegabt ist sie auch: Sie spricht russisch, deutsch, englisch und lernt gerade Italienisch.

Na klar, man kann viele Varianten einer Tortilla machen. „Es gibt zahlreiche unterschiedliche Arten“, sagt Begoña. „Mit verschiedenen Gemüse-sorten, Schinken oder Wurst. Aber ich mache sie so, wie meine Mama sie macht.“ Klassisch, ohne viele Zutaten. Nur Kartoffeln, Eier und für die, die es mögen, ein paar Zwiebeln. Arriba! Mit der Vorbereitung für die spanische Hauptspeise geht es los, und unsere internationale Kochrunde beginnt mit der Aufgabenverteilung. „Lasst uns mit den Kartoffelscheiben anfangen“, sagt Begoña und reicht ihrer russischen Mitköchin Valeriya eine Reibe. „Oh, die werden ja ganz hauchdünn geschnitten.“ Valeriya ist überrascht.

Hier und wir Während die Kartoffeln in der tiefen Pfanne mit viel Öl brutzeln, schneidet Sona Petersilie und Schnittlauch. „Estragon konnte ich nicht bekommen, den gibt es hier nicht immer“, erzählt sie. Sie ist in Armeniens Hauptstadt Jerewan aufgewachsen und schätzt in ihrer Heimat das Kochen mit sehr vielen verschiedenen Kräutern. „Wir nehmen zu Hause immer jede Menge frische Zutaten.“ Tabouleh, den sie als Vorspeise für das Drei-Gänge-Menü zubereitet, ist sehr typisch für die armenische Küche. „Man kann dazu sehr gut türkischen Weißkäse oder Feta reichen – als Ersatz für armenischen Käse“, sagt Sona. Der im Salat enthaltende Couscous ist ein wichtiger Bestandteil der orientalischen Küche, auch in Armenien.

Der Couscous weicht ein, Valeriya hilft Begoña weiter mit der Tortilla und schlägt Eier auf. Begoña verquirlt sie, gießt die Masse über die Kartoffeln und verrührt alles vorsichtig. „Ich warte immer etwa fünf Minuten – dann gebe ich die Tortillamasse in die Pfanne und brate beide Seiten, bis sie goldbraun sind.“ Das fertige Gericht kann sowohl heiß als auch kalt genossen werden.

Nun widmen sich alle dem Dessert, denn auch Sonas Tabouleh steht mittlerweile fertig auf dem Tisch. Valeriya liebt Oladji, die kleinen dicken Pfannkuchen – schon deshalb, weil sie so stark mit Kindheitserinnerungen verbunden sind wie wenige andere Dinge. Sie selbst verziert die Pfannküchlein gern mit Erdbeersoße. Allerdings werden sie in Russland auch oft mit Herzhaftem zubereitet. Im berühmten „Russian Tea Room“ in New York beispielsweise servieren die Kellner Oladji traditionell mit Kaviar. Kaum eine Kombination ist undenkbar.

Sona und Valeriya unterhalten sich über Kefir, das kohlensäurehaltige Milchgetränk, das die Oladji so schön fluffig macht. Im Kaukasus wird Kefir übrigens wegen seiner positiven Wirkung als „Getränk der Hundertjährigen“ bezeichnet. Die Zeit fliegt dahin, das Trio ist entspannt und routiniert beim Kochen. Die drei plaudern, und schon ist die Tortilla fertig. Schnell wird noch der Tisch gedeckt – und Valeriya gibt den Teig in kleinen Portionen in die Pfanne. „Ich kenne es so. Man fängt gleich an, die Oladji zu verspeisen, damit sie nicht kalt werden. Koch oder Köchin sind dann als Letzte dran. So hat es meine Oma auch immer gemacht: zuerst die Familie versorgt.“

Alle sind sich einig darüber, wie sehr Geruch und Geschmack von geliebten Speisen aus der Kindheit für angenehme Erinnerungen und Wohlgefühl sorgen können. Sona gibt ihrem Salat mit dem Granatapfelsirup noch den letzten Schliff. Jetzt ist höchste Zeit für den Genuss!

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