Vom Glück, im Stroh zu wühlen
Es herrscht ordentliches Gewusel und Gerüssel in der großen offenen Scheune von Familie Sye in Prasdorf in der Probstei. Der Betrieb, der dieses Jahr 100-jähriges Jubiläum feiert, zieht für famila Strohschweine auf – Tiere, die unter besonders guten Bedingungen heranwachsen dürfen und exzellente Fleischqualität liefern.
Foto(s): Henrik Matzen
Tageslicht und frische Luft, Stroh zum Wühlen und Liegen, Spielzeug, Artgenossen, Rückzugsbereiche und gutes Futter: Man sieht auf den ersten Blick, dass die Ferkel und Schweine es gut haben auf dem Hof von Familie Sye. „Wenn die Schwänze so schön geringelt sind wie bei diesen Tieren hier, weiß man eigentlich schon, dass alles in Ordnung ist“, erklärt Dr. Sandra Erdmann. Sie betreut als Agrarwissenschaftlerin beim Unternehmen Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten derzeit zehn bäuerliche Betriebe in Norddeutschland, die für famila Schweine nach den strengen Kriterien des Strohschweinprogramms aufziehen. Ziel ist die regionale Erzeugung von Schweinefleisch in der Haltungsform 4. Darin sind besonders tierwohlgerechte Bedingungen festgelegt, zum Beispiel mindestens doppelt so viel Platz wie gesetzlich vorgeschrieben und der dauerhafte Zugang zu Auslauf an frischer Luft.
Faires Programm für Landwirt und Tiere
Faires Programm für Landwirt und Tiere Seit letztem Jahr liefert auch Carsten Sye an famila: „Mein Vater und mein Onkel haben schon immer Schweine auf Stroh und mit viel Platz gemästet. Einfach aus der Überzeugung heraus, dass es für die Tiere besser ist.“ Der junge Landwirt freut sich, dass er mit dem langfristigen Fünfjahresvertrag mit famila ein Programm gefunden hat, das zu ihm passt. Er wird für den Mehraufwand fair entlohnt und hat Planungssicherheit für die Zukunft. „Es ist erwiesen, dass Schweine 80 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, mit dem Rüssel nach Nahrung zu wühlen“, sagt Carsten Sye. „Dieses Grundbedürfnis können wir mit dieser Haltung erfüllen.“
Regionales Konzept vom Acker bis zum Teller
Regionales Konzept vom Acker bis zum Teller Etwa 100 Muttersauen leben auf dem Hof in Prasdorf. Aus dem selbst angebauten Getreide stellt Familie Sye die optimale, gentechnikfreie Futtermischung her. Das Stroh findet als Einstreu für die Schweine und für die Ponys des zugehörigen Ferienbetriebs Verwendung. Der Mist fördert als organischer Dünger die Bodenfruchtbarkeit. Am Ende ihres Lebens bringt ein Transporter die Schweine für famila zu Schlachthöfen in der Nähe. In Ludwigslust wird das Fleisch zerlegt, unter anderem wird dort Pulled Pork hergestellt. Die Teilstücke werden in der famila-Fleischzentrale in Neumünster als Frischfleisch und zu diversen Wurstspezialitäten verarbeitet. Landwirt Carsten Sye und die fachliche Betreuerin sind von dem Programm überzeugt. „Wir schaffen Wertschöpfung in der Region vom Acker bis zum Teller“, so Dr. Sandra Erdmann.
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